Geschichte hautnah: Q3-LK besucht Fachtagung im Hess. Landtag
Ein Blick zurück und in die Gegenwart: Am 16. und 17. September 2026 nahm eine Delegation des Geschichts-Leistungskurses (Q3) unserer Leibnizschule an einer hochkarätigen Fachtagung im Hessischen Landtag teil. Unter der Leitung ihrer Lehrkraft Regina Kampe setzten sich zehn Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Historie von Flucht und Vertreibung auseinander – und erlebten dabei universitäre Wissenschaft und politische Debatten mit all ihren Ecken und Kanten.
Die zweitägige Tagung stand unter dem Titel „80 Jahre nach Flucht und Vertreibung der Deutschen im Kontext des Zweiten Weltkrieges: Historische Bilanzen im Lichte neuer Gewaltmigration“. Veranstaltet wurde die Konferenz von der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Astrid Wallmann.
Zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Konzentrationsleistung
Für unsere Oberstufenschülerschaft bot die Veranstaltung, die von rund 150 Experten sowie Mitgliedern von Landsmannschaften besucht wurde, eine ganz neue Erfahrung: Anders als im gewohnten Schulunterricht stand hier nicht die didaktische oder methodische Aufbereitung Pate bei den Vorträgen: Die Referentinnen und Referenten waren rein fachwissenschaftlich orientiert und verlangten den zehn Leibnizschülerinnen und -schülern über Stunden hinweg eine enorme Konzentrationsleistung ab. Eine echte Herausforderung, die der Kurs jedoch mit Bravour meisterte.Im Fokus stand die Aufarbeitung der Schicksale von rund 15 Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg sowie der Brückenschlag zu den heute weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht.
Kritischer Blick auf die Diskussionskultur
Besonders spannend, aber aus Sicht der Delegation auch ein wenig enttäuschend, verliefen die anschließenden Diskussionsrunden. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich lebhaftere und kontroversere Debatten erhofft; stattdessen blieben viele Beiträge eher gemäßigt. Aufmerksam registrierte der Leistungskurs, dass in einigen Publikumsbeiträgen leicht revanchistische Untertöne mitschwangen. Diese konnten jedoch von anderen Diskussionsteilnehmenden im Saal zügig und historisch fundiert widerlegt werden – für unsere Gruppe ein anschauliches Lehrstück in Sachen gelebter Erinnerungskultur. Auch als den Schülerinnen und Schülern einer anderen Schule ein kontrafaktisches Dokument zu den Ursprüngen des Zweiten Weltkrieges zugesteckt wurde, reagierte der Veranstalter umgehend, indem er den Urheber der Schrift herausfinden und aus seinem Verteiler herausnehmen wollte: Geschichtsrevionismus hatte hier keine Chance, weder beim „Zentrum gegen Vertreibungen“ noch beim Hessischen Landtag noch bei den allermeisten Anwesenden.
Kontroverse im politischen Panel
Für einen spürbaren Temperaturwechsel im Saal sorgte die politische Podiumsdiskussion. Hier trafen Klaus-Peter Wilsch (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages, und Lara Klaes (Bündnis 90/Die Grünen) aufeinander. Die beiden lieferten sich zwar die schmerzlich vermisste, harte Kontroverse, allerdings stellte die Delegation der Leibnizschule kritisch fest, dass die Argumente dabei leider nicht immer auf einer sachlich fundierten Grundlage ausgetauscht wurden. Am Mittwochabend sprachen dann auch noch Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) und sein Amtsvorgänger Peter Beuth (CDU) Grußworte, bis man zum gemütlichen Teil überging und einen Abendempfang genießen durfte. So kam man, wie auch in den anderen Pausen, ungezwungen ins Gespräch mit Menschen aus Politik und Wissenschaft, die sich allesamt freuten, dass sich auch junge Leute für das Thema interessieren. Einer unserer Schüler betonte jedoch in der Abschlussrunde, dass Flucht und Vertreibung zwar ein aktuelles Thema sei, das per se auf Interesse stoße, dass man es jedoch interessant verpacken müsse, um die junge Generation dafür zu gewinnen. Der Appell wurde im Prinzip von vielen dankbar aufgenommen, in der Hoffnung, dass er auch bei zukünftigen, ähnlichen Anlässen verfolgt werden würde.
Für den Q3-Leistungskurs war die Tagung trotz – oder gerade wegen – dieser Reibungspunkte ein voller Erfolg. Sie hat einmal mehr gezeigt, dass Geschichte an unserer Schule nicht nur aus Lehrbüchern gelernt, sondern im echten Leben aktiv hinterfragt, analysiert und kritisch eingeordnet wird. Ein herzlicher Dank gilt dem Hessischen Landtag und dem „Zentrum gegen Vertreibungen“ für die Einladung, Organisation und Begleitung dieser lehrreichen Tage!
Regina Kampe



