„Du weißt nie, was morgen kommt”, schon gar nicht bei Corona…

„Und man weiß immer erst beim Abschied, was es ei´m bedeutet und wie schön es eigentlich war.” Diese Zeilen singt Bosse in seinem neuen Lied „Der letzte Tanz” und er sang es auch, als ich nach nur einer halben Stunde Unterricht wieder ins Auto gestiegen war und wieder nach Hause fuhr, zwei Wochen vor den Weihnachtsferien. Das mag jetzt etwas sentimental klingen, aber genau so habe ich mich gefühlt, weil ich wusste, dass ich dieses Jahr die Schule nicht mehr betreten würde.

Vor der ersten Stunde hatte ich mich noch mit einer Freundin unterhalten, dass die letzten zwei Wochen richtig anstrengend würden: Vier Klausuren, zwei Projekte und daneben noch die Weihnachtsvorbereitungen.

Nur eine halbe Stunde später war alles anders. Die Tür ging auf und in dem Moment wusste ich, was mir blüht. Denn einen Tag vorher wurde eine Mitschülerin aus dem Unterricht geholt, nun auch ich: Kontaktperson erster Kategorie. Ich ließ eine ratlose Klasse zurück, genauso erging es mir selbst einen Tag vorher. Nach einem Gespräch mit Herrn Guss, in dem er mir sagte, ich solle mich beobachten und im Falle auftretender Symptome zum Arzt gehen, schickte er mich nach Hause. Auch mit einem negativen Test könne ich vor den Ferien nicht zurückkommen.

Das war ein wirklich merkwürdiges Gefühl. Erst die Klasse mit nur einem kurzen „auf Wiedersehen” und später die Schule in dem Wissen zu verlassen, dass es das jetzt erstmal war. Völlig abrupt, unerwartet und ohne Chance, sich zu verabschieden. Gleichzeitig machte sich auch Unsicherheit in mir breit: Hatte ich mich angesteckt? Wie würde es jetzt weitergehen? Was bedeutet das für meine Familie? Und vor allem, was bedeutet das für Weihnachten? Herr Guss hatte mir die brennendsten Fragen zwar beantwortet, doch eigentlich wusste ich gar nichts, auch weil man bei den ständigen Änderungen einfach nicht mehr mitkommt.

Mit den Worten „So, ich habe jetzt Ferien!” kam ich nach Hause. Die Freude meiner Eltern war enorm…. Wir warteten dann erstmal auf den Anruf des Gesundheitsamtes, um endlich zu wissen, was jetzt eigentlich los ist. Dieses meldete sich dann auch gegen Nachmittag. Ich als Kontaktperson müsse für zwei Wochen in Quarantäne, egal ob ich positiv oder negativ getestet würde. Allerdings müsse ich mich nicht testen lassen. Sie würden es empfehlen und die Kosten tragen, doch es sei meine Entscheidung. Ließe ich mich testen und das Ergebnis wäre positiv, zähle die Quarantäne jedoch erst ab dem Tag des Testes, sprich, die Quarantäne verlängere sich. Für meine Eltern hingegen habe das alles erstmal keine Konsequenzen, es sei denn ich würde positiv getestet. Das würde einfach damit zusammenhängen, dass man nicht alle Kontakte verfolgen könne. Vorsichtshalber solle ich mich getrennt von meinen Eltern aufhalten und, wenn möglich, ein eigenes Bad benutzten. Klar, jeder hat ja auch das Luxusproblem von zwei Badezimmern! So sind also die aktuellen Regeln, wenn sie für mich auch nicht wirklich nachvollziehbar sind.

Also machte ich mich erstmal daran, mich bei den Lehrern über Nachschreibetermine zu erkundigen, bei denen noch Klausuren anstanden.       Die Aufgaben zum Unterricht wurden durch die Kursteilungen sowieso hochgeladen und auch die Kommunikation mit den Lehrern über Moodle oder Mail funktionierte einwandfrei.

Erstaunlicherweise war mir alles andere als langweilig. Jetzt hatte ich wenigstens Zeit, die Weihnachtsstimmung voll auszukosten und endlich mal vor Weihnachten Plätzchen zu backen.

Eine ganze Woche nach dem Telefonat kam dann auch endlich der offizielle Brief, dass ich mich in Quarantäne zu begeben habe und ein „Tagebuch” über meine Symptome führen solle. Ich selbst blieb bisher zum Glück ohne Symptome und war top fit, doch man sollte das Virus auf keinen Fall unterschätzen!

Mir ist jedenfalls mal wieder bewusst geworden, dass „Bosse” vollkommen richtig liegt, gerade in Zeiten von Corona: „Du weißt nie, was morgen kommt. Nix ist immer, für immer.” Ist da seine Aufforderung nicht genial?: „Also tanz, als wär’s der letzte Tanz!” Ich finde schon! Denn ich finde, dass wir alle unsere Zeit viel mehr genießen sollten, statt ständig zu meckern. Klar, Pandemie ist anstrengend und nervig, doch sie zeigt uns auch, dass die Sachen, die wir als selbstverständlich und manchmal auch lästig ansehen, ungemein wertvoll sind!

Leona Rößler