Exkursion nach Verdun: „On ne passe pas“
Am 2. und 3. Februar 2026 unternahm der Leistungskurs Geschichte der Leibnizschule gemeinsam mit Kursen der Diltheyschule eine zweitägige Exkursion nach Verdun/Frankreich. Ziel der Fahrt war es, die historischen Schauplätze der Schlacht um Verdun aus dem Ersten Weltkrieg vor Ort zu erkunden und so das im Unterricht erarbeitete Wissen zu vertiefen.
Aus Wiesbaden nach Verdun
Vor Ort wurden wir von unserem Guide Pierre Lenhard begleitet, der uns mit großer Fachkenntnis und viel Engagement zu den verschiedenen Schlachtfeldern, Gedenkstätten und Denkmälern führte. Zu den Stationen der Exkursion gehörten unter anderem der Bois des Caures (Haselnusswald), das Fort Douaumont, das Beinhaus von Douaumont sowie der deutsche Soldatenfriedhof Azannes II. Sowohl im Caures-Wald als auch in Azannes II machte Pierre uns aufmerksam auf Bezüge zu Hessen, ja sogar zu Wiesbaden. Er ließ uns zum Beispiel zwei Soldatengräber von Wiesbadenern suchen: Peter Meurer war Angehöriger des Kurhessischen Füsilier-Regiments „von Gersdorff“, dessen Infanterie-Regimenter in der Region um Wiesbaden rekrutierten und die schwere Verluste bei Verdun erlitten. Max Tendlau gehört zu den etwa 100.000 jüdischen Soldaten, die für das Deutsche Kaiserreich kämpften und deren religiöse Identität gewahrt blieb, indem sie Grabstelen aus Naturstein erhielten. Während Wilhelm II. die jüdischen Kämpfer noch als „deutsche Brüder“ bezeichnete („Ich kenne keine Konfessionen mehr“), wurden Juden ab 1933 systematisch entrechtet, verfolgt und ermordet.
Besuch im „Ehrendorf“
Besonders eindrucksvoll war auch der Besuch des zerstörten Dorfes Ornes, eines der neun im Ersten Weltkrieg vollständig zerstörten Dörfer, die nicht wiederaufgebaut wurden und den Ehrentitel „Mort pour la France“ (Gestorben für Frankeich) tragen. Bis heute existiert in diesen Dörfern formal eine Gemeinde mit einem Bürgermeister, der nicht gewählt, sondern staatlich ernannt wird. In Ornes ist dies Herr Saint-Vanne, der uns durch „sein Dorf“ führte und uns die einzig erhaltene Ruine der Kirche zeigte. Abschließend lud er uns herzlich zu selbst gepresstem Apfelsaft ein.
Weitere Highlights
Ein weiteres Highlight der Exkursion war das umfangreiche Museum „Mémorial de Verdun“, in dem zahlreiche Ton- und Videodokumente, persönliche Gegenstände und weitere Exponate einen sehr anschaulichen Einblick in das Leben der Soldaten und Zivilbevölkerung während der Schlacht um Verdun gaben. Ebenfalls besonders interessant war das „Ouvrage de la Falouse“, ein Zwischenwerk der 43 Festungsanlagen rund um das lothringische Verdun. Dort erhielten wir einen eindrucksvollen wie beklemmenden Einblick in den Festungsbau, der bereits nach dem Deutsch-Französischen Krieg vorangetrieben worden war und im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle spielte.
Verdun hat viel zu bieten
Neben den historischen Programmpunkten blieb auch Zeit, Verdun selbst zu erkunden. Ein Spaziergang entlang der Maas, vorbei an zahlreichen Denkmälern aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, rundeten den Aufenthalt ab. Besonders eindrücklich war das Denkmal der fünf Soldaten mit der Aufschrift „On ne passe pas“ („Man kommt hier nicht vorbei“) ein Satz, der symbolisch für den französischen Widerstand während der Schlacht steht. Auch das Denkmal für die Frauen sowie das zentrale, hoch aufragende Soldatendenkmal im Stadtbild hinterließen bleibenden Eindruck. Natürlich kam auch das Gemeinschaftserlebnis nicht zu kurz: Zwei Besuche in einem französischen Supermarkt ließen die kulinarischen Herzen höher schlagen.
Für alle ein Gewinn
Insgesamt war es eine rundum gelungene Exkursion, die uns die Ereignisse von Verdun auf eindrucksvolle Weise nähergebracht hat. Die Fahrt bot nicht nur wertvolle historische Einblicke, sondern stärkte den Austausch zwischen den beteiligten Kursen und Schulen. Großer Dank gilt daher Pierre Lenhard, der schülergerecht aber nicht „belehrend“ Historie vermittelt und spannende Annekdoten parat hatte! Verdun bleibt für alle Teilnehmenden ein Ort des Erinnerns – und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Geschichte vor Ort zu erleben.
Verdun ist ein Ort, an dem man auch heute nicht „vorbeikommt“
Die Stadt und ihre Umgebung sind ein zentraler Erinnerungsort der europäischen Geschichte und ein markanter Bezugspunkt für unsere gemeinsame Identität. Verdun mahnt uns an die verheerenden Folgen von Krieg und Nationalismus, gleichzeitig prägt der Ort aber auch unsere Gegenwart: Gerade in Zeiten des Ukrainekrieges steht er für Versöhnung, für das Bewusstsein einer gemeinsamen europäischen Verantwortung und für die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft. Wer Verdun besucht, blickt nicht nur zurück, sondern auch nach vorn – auf eine Zukunft, in der Erinnerung und Verständigung untrennbar miteinander verbunden sind.
Regina Kampe













